Kurzthese
Beschreibung
Die meisten Menschen sind überrascht, wenn man ihnen zeigt, wie weit die Technisierung des Körper vorangeschritten ist: Künstliches Gehör, künstliche Netzhaut, gedankengesteuerte Prothesen, die direkt mit dem Gehirn verbunden sind. Cyborg-Technologien – also der Umbau des menschlichen Körpers mit technischen Mitteln – scheinen im Moment zwar nur ein Thema für kranke und behinderte Menschen zu sein, auch wenn eine kleine, internationale Szene von Hackern an nichtmedizinischen Implantaten arbeitet. Dieses Thema mag für uns selbst weit weg sein und der Gedanke an ein Hirnimplantat von Google gruselig klingen: Als Gesellschaft sind wir längt eine tiefe, untrennbare Symbiose mit der uns umgebenden Technologie eingegangen.
Das verleitet zu allerlei Zukunftsprognosen: Mitte des Jahrhunderts soll die „Singularität“ eintreten: der Zeitpunkt, an dem Computer intelligenter sind als Menschen. Viele glauben, dass wir dann den Inhalt unseres Gehirns ins Internet hochladen, um dort als posthumane Geistwesen unsterblich weiterzuleben. Dabei sind solche Zukunftsprognosen kaum mehr ein nettes Gedankenspiel, schon allein weil einfach zu viele neue Erfindungen oder gesellschaftliche Entwicklungen passieren werden, die alles in völlig andere Richtungen lenken, als wir heute denken. Wir sind sind da nicht anders als die Menschen des Jahres 1900, die sich für das Jahr 2000 einen Himmel voller Luftschiffe vorstellten.
Dabei leben wir längst in einer „Cyborg-Gesellschaft“, ohne uns individuell als Cyborgs zu fühlen. Viele der Probleme, philosophischen Gedankenspiele und Zukunftsszenarien aus Science-Fiction-Geschichten tauchen schon heute in unserem Alltag auf. Dafür muss sich niemand eine Chip implantiert lassen: Es genügt, ein Smartphone zu besitzen. Wie verändern selbstfahrende Autos, Roboter-Journalismus und Funkzellenabfrage bereits hier und heute die Art, wie wir denken und (zusammen)leben?